Newsletter vom 13. März 2026:
Es geht wieder los: Die NADIR bricht auf und setzt die Segel in Richtung des Einsatzgebiets im zentralen Mittelmeer. Auch dieses Jahr werden zehn Crews in zehn Einsätzen Menschen in Seenot unterstützen. Ob an Land oder auf See: Wir sind bereit.
Einsatzstart der NADIR. Zurück auf See gegen tödliche Repressionen
Jedes Einsatzjahr ist anders und geprägt von den Fluchtbewegungen, von der Lage in den Herkunfts- und Abfahrtsländern, von Wetterereignissen, den rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Repressionen auf See. 2026 startete als das tödlichste Jahr auf der Fluchtroute seit Beginn der Aufzeichnungen.* Mindestens 545 Menschen gelten bereits als vermisst. Insbesondere der Hurrikan Harry hat viele das Leben gekostet. In den Tagen danach trieben Leichen im Wasser und wurden an den Küsten Libyens und Italiens angeschwemmt. Wir gedenken dieser Menschen.
* Die Internationale Organisation für Migration erhebt seit 2014 systematisch Datenvon Todesfällen und vermissten Personen auf Migrationsrouten weltweit.
Europa rüstet auf
Während die Lage auf dem Mittelmeer katastrophal bleibt, spitzt sich die politische Situation an allen Ecken und Enden weiter zu. Kanzler Friedrich Merz besucht den US-Präsidenten Donald Trump im Weißen Haus und prahlt mit sinkenden Ankunftszahlen. Die italienische Regierung unter Giorgia Meloni rückt per Dekret Migration rechtlich in die Nähe von Tatbeständen der nationalen Sicherheit. Und die EU-Mitgliedsstaaten setzen die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) um. Mit GEAS entrechtet die EU geflüchtete Menschen, das Asylsystem wird ausgehöhlt und es werden Maßnahmen ganz im Duktus der amerikanischen ICE-Behörde vorgesehen.
Abschiebungen im ICE-Style
Was das konkret bedeutet: Die EU verhandelt eine „Rückführungsverordnung“, die systematische Razzien und Überwachung unionsweit normalisieren soll. Öffentliche und soziale Einrichtungen werden zu Instrumenten der Migrationskontrolle. ICE-Style-Razzien in Privatwohnungen und humanitären Unterkünften, Großkontrollen in Bahnhöfen, rassistisches Profiling – das ist die Realität, die Europa gerade für Millionen Menschen baut. In den USA hat genau diese Politik dazu geführt, dass Menschen aus Angst vor Verhaftung keine Arztpraxen mehr betreten, öffentliche Räume meiden. Was in den USA längst Realität ist, steht in Europa drohend vor der Tür.
Die NADIR fährt. Weil sie fahren muss
All die Nachrichten von Konflikten und Eskalation machen in diesen Tagen wenig Mut. Sie lassen uns erstarren, abstumpfen, verzweifeln. Kriege bedeuten immer auch Flucht. Menschen, die den Lärm von Explosionen kennen und die um ihr Leben fürchten, werden sich immer einen sichereren Ort suchen. Und die Wahrheit ist: Deshalb dürfen wir nicht aufgeben. Zivile Seenotrettung darf kein Dauerzustand sein. Doch aktuell, im Vakuum staatlicher Verantwortungsübernahme, ist sie notwendiger denn je. Deshalb fahren wir mit der NADIR raus, deshalb sind wir im Mittelmeer präsent und bereit, Hilfe für Menschen in Seenot zu leisten.
Hilfst Du uns, weiterzufahren?
Gerade jetzt brauchen wir Mut, um weiterzumachen und uns nicht einschüchtern zu lassen. Um weiterhin Sichtbarkeit für die Situation im Mittelmeer zu schaffen. Um weiterhin Menschen nicht ertrinken zu lassen. Wir spüren Zusammenhalt, wenn wir merken, wir sind nicht allein: Jedes Interesse, jede Solidarität mit unserer Arbeit, jede Spende steht für die Unterstützung, die wir brauchen, um uns den politischen Machtverhältnissen entgegenzustellen – im aktiven Engagement für Menschen in Not und für eine solidarische Gesellschaft.
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