Crew der Nadir über 50 Stunden im Dauereinsatz

News vom 3. August 2021:

Ende Juli startete die dritte RESQSHIP-Beobachtungsmission mit der Nadir im zentralen Mittelmeer. Bereits nach wenigen Tagen spitzte sich die Situation dort dramatisch zu. Am Nachmittag des 31. Juli bezeugte unsere Crew einen Pushback von ca. 80 Menschen seitens der libyschen Küstenwache.

400 Menschen mit Sea-Watch und SOS Méditerrannée aus überfülltem Holzboot gerettet

Etwa sechs Stunden später erreichte die Besatzung der Nadir ein Notruf: Etwa 400 Menschen trieben auf einem Holzboot mit ausgefallenem Motor in internationalen Gewässern, ohne Wasser und kentergefährdet. „Die Nadir ist kein Rettungsschiff, aber in diesem Fall werden alle verfügbaren Schiffe gebeten, Hilfe zu leisten – alle Schiffe sind per Gesetz zur Hilfeleistung verpflichtet“, so Kapitän Ingo Werth. In einer mehrstündigen und intensiven Rettungsaktion konnten wir zusammen mit Sea-Watch und SOS Méditerrannée alle Menschen bergen, erstversorgen und sicher an Bord der Sea Watch 3 und der Ocean Viking bringen. Diese warten nun auf die schnellstmögliche Zuweisung eines sicheren Hafens seitens europäischer Behörden.

Holzboot mit 110 Menschen erstversorgt – Hilfe kam von italienischer Küstenwache

Nur kurze Zeit später der nächste Fall: Die Nadir stieß auf ein weiteres Holzboot mit etwa 110 Menschen an Bord. Es trieb maßlos überfüllt, kentergefährdet und ebenfalls mit ausgefallenem Motor in der maltesischen SAR-Zone. Die Crew übernahm die Erstversorgung und kontaktierte die zuständigen Behörden, um weitere Rettungsmaßnahmen einzuleiten. Erst in der Nacht von Sonntag auf Montag schickte die italienische Küstenwache zwei Schiffe, die die Menschen aufnahmen, um sie in einen sicheren Hafen zu bringen.

Resqship-Einsatz_ITCG-Holzboot_nachts

Die italienische Küstenwache rettete am frühen Montagmorgen in der maltesischen SAR-Zone 110 Menschen aus einem völlig überfüllten Holzboot, nachdem das die Crew der Nadir ihnen erste Hilfe geleistet hatte.

Nadir trifft auf Boot mit 180 Menschen

Kurz darauf eilte die Nadir zum nächsten Notfall: Die NGO Alarmphone hatte am frühen Montagmorgen mitgeteilt, dass sich in der maltesischen SAR-Zone bis zu fünf Boote in Seenot befinden würden. Unsere Crew konnte eines davon ausfindig machen: ein Holzboot mit 180 Menschen, die bereits seit drei Tagen auf hoher See waren. Die Besatzung der Nadir übernahm auch hier die Erstversorgung und alarmierte die zuständigen maltesischen Behörden

„Bei zwei der Geflüchteten war der Gesundheitszustand besonders kritisch“, berichtete Bordarzt Gerhard Trabert. „Ein junger Mann erlitt einen Herz-Kreislauf-Stillstand und musste an Bord der Nadir reanimiert werden. Ein weiterer Mann war sehr schwach und dehydriert. Er berichtete zudem von massiven Misshandlungen in einem libyschen Lager.“ Unsere Crew nahm die beiden Männer zur Stabilisierung vorübergehend an Bord und forderte für die Evakuierung ein staatliches Schiff an. Nach einigen Stunden traf Hilfe ein, um die beiden Menschen zu evakuieren. Die anderen Personen an Bord des Holzbootes waren zuvor bereits von zwei Schiffen der italienischen Küstenwache an Bord genommen worden.

Resqship-Einsatz_überfülltes Holzboot_2.August2021

Massiv überfülltes Holzboot mit rund 180 Menschen in Seenot in der maltesischen SAR-Zone, gesichtet von der Nadir am Montagmittag

Resqship-Einsatz_medizinischer Notfall

Einer der beiden medizinischen Notfälle, die an Bord der Nadir versorgt werden mussten. 

Resqship-Einsatz_ITCG evakuiert Holzboot

Die italienische Küstenwache kam in der maltesischen SAR-Zone zu Hilfe und nahm rund 180 Menschen von Bord eines hoffnungslos überfüllten Holzbootes und brachte sie in einen sicheren Hafen. 

Staatliche Seenotrettung dringend notwendig

Damit befand sich RESQSHIP über 50 Stunden im Dauereinsatz und konnte in dieser Zeit gemeinsam mit anderen Schiffen über 700 Menschen in Seenot Hilfe leisten. Zivile Organisationen können dem Sterben im Mittelmeer jedoch nicht allein entgegenwirken, das ist Aufgabe der EU-Staatengemeinschaft. Die Fälle der letzten Tage zeigen erneut, dass eine staatlich koordinierte Seenotrettung notwendig ist. Europa darf nicht länger wegsehen.

Bildnachweis: Daniel Kubirski/ RESQSHIP

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