Gemeinsam gegen das Sterben auf dem Mittelmeer – Crewing-Aufruf

Newsletter vom 10. Januar 2022:   

„1864 Menschenleben“ lautet die Überschrift des Jahresrückblicks, den die Süddeutsche zum Thema Seenotrettung Ende Dezember veröffentlicht hat. 1864 ist die Zahl der Menschen, die 2021 der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge im Mittelmeer ertrunken sind. Mindestens. Denn die Dunkelziffer ist viel höher.

EU finanziert „Kopfgeldjäger“

Schuld am Massensterben auf dem Wasser ist die Europäische Union, einst Friedensnobelpreisträgerin – heute geht sie zum Schutz ihrer Außengrenzen über Leichen. Statt Rettungsschiffe zu finanzieren, gibt die EU Hunderte Millionen Euro für Technologien zur Flüchtlingsabwehr aus und unterstützt die sogenannte libysche Küstenwache, die Menschen auf der Flucht daran hindern soll, nach Europa zu gelangen. Etwa 30.000 Menschen sind 2021 der IOM zufolge in illegalen Pullbackaktionen in das Bürgerkriegsland Libyen zurückgebracht worden.

Hoffnungsvolle Urteile

So erschreckend diese Zahlen sind –  es gibt auch Lichtblicke: So hat die italienische Justiz vor ein paar Wochen die letzte Anklage gegen Carola Rackete fallen gelassen. Und im Oktober wurde erstmals einen Kapitän eines Handelsschiffes wegen der erzwungenen Rückführung von Geretteten nach Libyen zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Kapitän hatte gegen das Völkerrecht verstoßen. Ein wegweisendes Urteil, denn zivile Schiffe könnten künftig für Pushbackaktionen belangt werden.

Ebenfalls im Oktober begann in Italien der Prozess gegen den ehemaligen Innenminister Salvini, der sich aufgrund von Hafenblockaden für Rettungsschiffe wegen Freiheitsberaubung und Amtsmissbrauch verantworten muss. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft. Prominenter Zeuge im Prozess ist Richard Gere, der damals spontan an Bord der blockierten Open Arms ging, um zu helfen.

Dazu kommt, dass die zivilen Rettungsschiffe in den vergangenen Monaten weniger blockiert wurden als noch vor einem Jahr. Auch hat Italien eine eigens für NGO-Schiffe erlassene Regel entschärft: Die Crews müssen nach Rettungseinsätzen nur noch dann in Quarantäne, wenn tatsächlich auf Covid positiv getestete Gäste an Bord waren.

Uns stimmen diese Entwicklungen zuversichtlich, auch wenn das große Ziel, das einer europäischen oder staatlichen Seenotrettung, in weiter Ferne liegt.

Crewing-Aufruf

Crewing für 2022 startet

Im Moment bereiten wir die Nadir auf die kommenden Einsätze vor. Ab April wollen wir wieder mit unseren Beobachtungsmissionen starten. Dafür suchen wir noch Crewmitglieder! Nautische Erfahrung oder medizinische Kenntnisse sind von Vorteil, es werden an Bord aber auch andere helfende Hände gebraucht. Wenn du Interesse hast, melde dich per E-Mail an crewing@resqship.org und du erhältst alle wichtigen Informationen.

Mitmachen bei RESQSHIP

Auch an Land brauchen wir Unterstützung bei unserer Vereinsarbeit. Wir freuen uns immer über Ehrenamtliche, die sich bei uns engagieren wollen. Um euch einen Einblick in unseren Verein und die verschiedenen Aufgaben zu geben, bieten wir in Zukunft regelmäßig Onboarding-Kennenlern-Treffen an. Das erste findet am Sonntag, den 23. Januar, um 18 Uhr via Zoom statt. Wer Interesse hat, daran teilzunehmen, bekommt die Zugangsdaten auf Anfrage an mitmachen@resqship.org.  

Mit deiner Spende hilfst du dabei, dass wir regelmäßig auf See sind und Nothilfe leisten. Oder werde Fördermitglied von RESQSHIP und sichere mit monatlichen Beiträgen in selbst festgelegter Höhe unsere Einsätze langfristig finanziell ab.

Ein Menschenleben ist unbezahlbar – unsere humanitäre Arbeit nicht.

Herzliche Grüße

Andrea Finkel vom RESQSHIP-Team in Augsburg

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