NADIR leistet Hilfe in Notlage – 91 Menschen gerettet

Newsletter vom 23. Juni 2021

Nur zwei Tage nach Beginn der Beobachtungsmissionen wurde die Crew der NADIR im zentralen Mittelmeer in einen Seenotfall verwickelt und leistete Nothilfe. Durch die erfolgreichen Erste-Hilfe-Maßnahmen rettete die Crew 91 Menschen und brachte sie an einen sicheren Ort. Hier lest ihr den Erfahrungsbericht von unserem Crewmitglied Andrea:

Die 15-jährige Helen aus Eritrea war an Bord des Holzbootes, das unsere Crew am vergangenen Mittwoch in der maltesischen SAR-Zone angetroffen hat. Sie war bewusstlos und wir nahmen sie sofort an Bord der NADIR. Unser Paramedic konnte sie mit einer Infusionstherapie zum Glück schnell stabilisieren. Neben Helen waren noch weitere 90 Menschen auf dem Boot, darunter drei Frauen, eine davon schwanger, sowie mehrere unbegleitete Minderjährige. Die Menschen waren bereits den dritten Tag ohne Wasser und Essen unterwegs und trieben manövrierunfähig auf dem zentralen Mittelmeer, nachdem ihr Motor ausgefallen war.

Wir nahmen unmittelbar nach der Sichtung des Holzbootes Kontakt mit der maltesischen Seenotrettungsleitstelle (MRCC Malta) auf, die für die Koordination von Seenotfällen in diesem Gebiet zuständig ist, und forderten ein großes Schiff zur sicheren Aufnahme aller Menschen an. Sie teilten uns mit, dass sie das in der Nähe befindliche Handelsschiff Lady Nuray angewiesen hätten, ihren Kurs zu ändern, um uns zu unterstützen. Doch die Lady Nuray gab selbst an, nicht vom MRCC Malta kontaktiert worden zu sein und leistete keine Hilfe.

Paramedic im Einsatz

Um das völlig überfüllte Holzboot zu entlasten, nahmen wir 54 Menschen an Bord der NADIR, versorgten 20 davon medizinisch, darunter einen weiteren notfallmedizinischen Fall, und führten bei allen Personen an Bord Covid-19-Schnelltests durch. Da das MRCC Malta seine Hilfe verweigerte und uns aufforderte, selbst die Menschen an den nächsten sicheren Ort zu bringen, nahmen wir ordnungsgemäß Fahrt auf in Richtung Lampedusa. Die übrigen 37 Menschen im Holzboot zogen wir hinter der NADIR her. Kurze Zeit später tauchte die sogenannte libysche Küstenwache auf und wollte uns die Menschen abnehmen, was wir nicht zuließen. Denn dies hätte einen illegalen Pushback für die Geretteten in ein unsicheres Land bedeutet.

Auf dem Weg nach Norden nahm der Seegang immer mehr zu und wir machten uns große Sorgen um das Boot im Schlepp: Würde die Leine halten? Was, wenn die zwei Meter hohen Wellen Wasser ins Boot spülen und es zu kentern droht? Da das MRCC Malta seiner Verantwortung nicht nachgekommen ist, verblieben die Menschen in einer lebensgefährlichen Situation und wir mussten weiter auf Hilfe drängen.

Die italienische Küstenwache kam uns in der Nacht entgegen und nahm zunächst die Menschen aus dem Holzboot auf. Die anschließende Übergabe der Menschen bei uns an Bord gestaltete sich aufgrund des Seegangs schwierig, doch die Crew der Küstenwache gab ihr Bestes und wir sind ihr zutiefst dankbar für ihre Hilfe. Und wir sind froh, dass wir alle aus Seenot Geretteten sicher an sie übergeben konnten.

Übergabe an italienische Küsstenwache

Aktuell sind wir noch in Quarantäne im Hafen in Valletta und nutzen die Zeit so gut wie möglich, um unser Schiff wieder flott zu machen für die nächste Beobachtungsmission. Dafür brauchen wir dringend eure Unterstützung, denn bei der Übergabe an die italienische Küstenwache nahm leider unsere Reling Schaden. Außerdem müssen wir neue Rettungswesten und eine Schleppleine besorgen sowie unser medizinisches Equipment aufstocken.

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Ein Menschenleben ist unbezahlbar – unsere humanitäre Arbeit nicht.

Herzliche Grüße im Namen der gesamten NADIR-Crew!

Andrea Finkel
Crew-Mitglied der NADIR aus dem RESQSHIP-Team in Augsburg

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