17 aus Seenot Gerettete an Bord der Nadir notversorgt

News vom 26. August 2021: 

Am Dienstagvormittag (24. August) erreichte die Nadir in der maltesischen SAR-Zone ein überfülltes kleines Holzboot. Der Motor war defekt und es gab einen starken Wassereinbruch. Die Crew setzte sofort ein „Mayday Relay“ ab. 45 Minuten später drohte das Holzboot zu sinken und alle 17 Insassen mussten an Bord der Nadir genommen werden.

Unterstützung durch MRCC Malta blieb leider aus, obwohl die Nadir zuvor von der maltesischen Luftwaffe aufgefordert worden war, nach dem Boot in Seenot zu suchen, welches sie gesichtet hatten. Andere angefragte Seenotrettungsleitstellen sahen sich auch nicht in der Verantwortung.

Nur wenige Stunden später traf die Nadir auf ein weiteres winziges Holzboot mit 14 Personen. Auch hier war der Motor defekt und das Boot durch den Wellengang stark kentergefährdet. Auf ein „Mayday Relay“ gab es keine Reaktion aus Malta. Die italienische Küstenwache kam zu Hilfe und barg die 14 Personen aus dem Holzboot.

 

ICG evakuiert Holzboot mit 14 Menschen

Die 17 Geretteten an Bord der Nadir wollte sie jedoch nicht mitnehmen, da diese in die Zuständigkeit von Malta fallen würden. Auf wiederholte Anfragen reagierten die maltesischen Behörden schließlich und verwiesen die Nadir an Italien. Doch keiner wollte den Geretteten und der Crew, die langsam an ihre Belastungsgrenze kam, helfen. „So werden die Menschen zum Spielball der Behörden, die sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Und das alles, weil Europa sich nicht über eine gerechte Verteilung von Menschen auf der Flucht einigen will und die Mittelmeerländer seit Jahren mit dem Problem alleine lässt“, sagt Adriana Lamar Finkel, stellvertretende Pressesprecherin von RESQSHIP und aktuell Crew-Mitglied auf der Nadir.

Nur medizinische Notfälle abgeholt

Erst als am Dienstagabend zwei der Geretteten dringend medizinisch versorgt werden mussten, schickte die italienische Küstenwache ein Schiff, um die beiden abzuholen. In der Nacht mussten zwei weitere medizinische Notfälle geborgen werden. Die anderen wollte die Küstenwache jedoch nicht mitnehmen.

Gerettete an Bord der Nadir_nachts

Die ganze Nacht hatte die Crew an die zuständigen Behörden appelliert, umgehend ein Schiff zu schicken, damit die 13 Menschen, die noch an Bord der Nadir waren, in einen sicheren Hafen gebracht werden.

Am Mittwochmorgen traf die Nadir auf ein weiteres kentergefährdetes Boot mit 18 Menschen an Bord, davon acht Frauen und ein Baby. Die umgehend alarmierte italienische Küstenwache kam, um die Menschen aus diesem Boot zu bergen. Für die Geretteten auf der Nadir zeichnete sich immer noch keine Lösung ab. Erst Stunden später sollten auch sie endlich von der italienischen Küstenwache abgeholt werden. Doch als diese eintraf, evakuierte sie nur einen weiteren medizinischen Notfall, der zudem von seinem minderjährigen Bruder getrennt wurde. Die Crew wurde aufgefordert, sich in den Hafen von Lampedusa zu begeben. Dort konnten die restlichen 12 Geretteten von Bord gehen, die Crew musste sich in eine zehntägige Quarantäne begeben.

„Wir haben in der Nacht bei starkem Wind und hohen Wellen um das Leben der Menschen bei uns an Bord gebangt. Durch das lange Hinauszögern haben die Behörden Menschenleben gefährdet, und zwar das der Geflüchteten und der Crew“, erklärt Kapitän Friedrich Reich.

Der 18 Meter lange Motorsegler ist zwar für die Erstversorgung von Menschen in Seenot ausgestattet, hat aber nicht die Kapazität und den Platz, um so viele Menschen über längere Zeit an Bord zu versorgen. Zudem war die siebenköpfige Crew seit drei Tagen im Dauereinsatz, denn bereits am Sonntagabend war sie auf ein manövrierunfähiges Boot mit 22 Menschen getroffen und 13 Stunden bei ihnen geblieben, bis am nächsten Morgen die italienische Küstenwache gekommen war, um die Menschen in einen sicheren Hafen zu bringen. Nur wenig später war die Nadir auf ein weiteres Boot mit 28 Menschen getroffen und hatte deren Erstversorgung übernommen, bis einige Stunden später die italienische Küstenwache eintraf und die Menschen evakuierte.

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Die Crew der Nadir in Quarantäne vor Lampedusa.

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