„Die Augen der Schiffe“ – Interview mit José Benavente, Gründer und Vorsitzender der L’association Pilotes Volontaires

 

Die Colibri 2, Flugzeug von Pilotes Volontaires, im Einsatz über dem zentralen Mittelmeer. (Bild: RESQSHIP/Leon Salner) 

RESQSHIP ist wieder im Einsatz mit der NADIR. Um möglichst viele Menschen in Seenot im zentralen Mittelmeer zu retten, arbeiten wir auch dieses Jahr eng mit anderen Organisationen zusammen. Eine davon ist Pilotes Volontaires – eine französische NGO, die unsere Arbeit aus der Luft unterstützt und so einen unverzichtbaren Beitrag zu den Rettungseinsätzen leistet.

Wir hatten die Gelegenheit, José Benavente, den Gründer und Vorsitzenden von L’association Pilotes Volontaires, zu interviewen, um mehr über diese wertvolle Arbeit erfahren und wie man sie dabei unterstützen kann. Als Ausdruck unserer Wertschätzung und Solidarität kann aktuell hier auch über uns für Pilotes Volontaires gespendet werden (bis 15.07.2024).

José Benavente, Gründer und Vorsitzender von Pilotes Volontaires, zeigt RESQSHIP Crewmitgliedern die Colibri 2.

José Benavente (3. von links), Gründer und Vorsitzender von Pilotes Volontaires, zeigt RESQSHIP Crewmitgliedern die Colibri 2. (Bild: RESQSHIP/Friedrich Reich) 

 

Wer ist Pilotes Volontairés und wie unterstützt Ihr Menschen auf der Flucht übers Mittelmeer? 

José Benavente: “Die Arbeit der Pilotes Volontaires besteht darin, Such- und Rettungsaktionen auf See (zwischen der tunesischen Küste, der libyschen Küste und Lampedusa) aus der Luft zu unterstützen, um in Seenot geratene Boote aufzuspüren.  

Dafür nutzen wir die Colibri 2, ein zweimotoriges Flugzeug mit vier Sitzen. An Bord sind neben dem Piloten drei Crewmitglieder, die das Beobachten übernehmen. Am Boden ist eine weitere Person für die Vermittlung zwischen dem Flugzeug, den Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und den Seenotrettungs- und Koordinierungsstellen zuständig.  

Neben dieser Aufklärungsarbeit sammeln wir Informationen über das, was wir während der Flüge beobachten (Rettungseinsätze, Interventionen durch die libysche Küstenwache etc.) und archivieren sie. Zudem geben unsere Mitglieder ihre Erfahrungen an Studierende, andere Organisationen und Gemeinden weiter.“ 

Wie arbeitet Ihr mit den Schiffen von zivilen Seenotrettungsorganisationen wie RESQSHIP zusammen? 

José Benavente: “Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Schiffen der zivilen Seenotrettungsorganisationen und stehen ihnen bei der Suche nach Booten in Seenot zur Seite. Die Schiffe nennen uns gewöhnlich „ihre Augen“. In der Tat ermöglicht das erweiterte Sichtfeld in Verbindung mit der Fluggeschwindigkeit aus der Luft die Abdeckung eines großen Suchgebiets. Diese Kombination aus See- und Luftfahrzeugen erhöht die Chancen erheblich, in Not geratene Menschen zu finden. 

Außerdem bieten wir den Crews der zivilen Flotte, die einen Zwischenstopp in Lampedusa einlegen, unsere logistische Unterstützung an Land an: einen Platz zum Ausruhen, Duschen, Wäsche waschen, Lagerung etc.“ 

Welche Kosten sind mit Euren Einsätzen in diesem Jahr verbunden und wie kann man Euch unterstützen? 

José Benavente: “Unser Jahresbudget beträgt etwa 450 000 Euro. Wir führen damit zwischen 100 und 110 Flüge durch. Die wichtigsten Betriebskosten sind: Treibstoff, Flugzeugwartung, Unterbringung der Besatzung. Nur 10 % unserer Mitglieder werden aus diesem Budget bezahlt, die Anderen arbeiten ehrenamtlich. 

Ein Flugtag kostet 3.000 Euro, eine Wartung (die jeweils nach 100 Flugstunden fällig wird) kostet etwa 10.000 Euro und eine Einsatzperiode mit 100 Flugstunden kostet 35.000 Euro.  

Am besten kann man unsere Arbeit mit Spenden unterstützen. Wir sind immer auf der Suche nach Mitteln und Zuschüssen, um unseren Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Darum freuen wir uns sehr, dass RESQSHIP einen Spendenaufruf zu unseren Gunsten startet – vielen Dank dafür!“ 

 

Gemeinsamer Einsatz von Pilotes Volontaires und RESQSHIP bei einem Seenotfall im zentralen Mittelmeer. (Video: Pilotes Volontaires)  

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