Nadir im Dauereinsatz – Politik versagt

Newsletter vom 13. August 2022:   

Ein Boot mit zwei Decksflächen und 120 Menschen an Bord ist in Seenot – diesen Notruf erhält die Nadir am Abend des 29. Juli. Der Crew bleiben nur etwas mehr als zwei Stunden, um das Boot noch vor Einbruch der Dunkelheit zu finden – und es gelingt! Acht lange Stunden kümmert sich die Besatzung der Nadir um die Erstversorgung der Geflüchteten, nur ein Bordscheinwerfer erhellt die finstere Nacht. In den Morgenstunden trifft dann endlich die italienische Küstenwache ein, um die Menschen aufzunehmen und sicher nach Europa zu bringen.

Mission 5: Nadir versorgt 328 Menschen

Es sind die ersten 120 Menschen, denen die Crew in diesen Tagen auf der gefährlichen Flucht über das zentrale Mittelmeer zur Hilfe kommen kann. Und es wird nicht das einzige Boot bleiben. Auf ihrer fünften Beobachtungsmission in diesem Jahr kann die Nadir zur Rettung von insgesamt rund 450 Menschen beitragen. Bilder und weitere Infos gibt es auf unseren Social-Media-Kanälen, beispielsweise auf Twitter. Außerdem findet ihr auf unserer Website alle Missionsberichte. Dort findet ihr jetzt auch den Bericht der Mission 4.

Während unser Schiff wieder zurück in Malta ist, wo der nächste Crewwechsel ansteht, wollen wir einen Blick auf drei politische Themen abseits unserer Einsätze werfen, die in den letzten Tagen Wellen schlugen.

Aufnahmelager auf Lampedusa überfüllt

Die 120 Menschen, für die die Nadir jüngst die Erstversorgung gewährleistete, wurden von der italienischen Küstenwache nach Lampedusa gebracht. Aktuell kein Einzelfall: Für immer mehr Menschen endet die Flucht über das Mittelmeer im dortigen Erstaufnahmelager. Fast 5.000 Geflüchtete erreichten Lampedusa allein im Juli – etwa so viele Menschen, wie Lampedusa Einwohner hat. Das Lager auf der kleinen Insel hat dagegen lediglich Kapazitäten für 350 Menschen.

Resqship-Nadir-Rhib-Flüchtlingsboot

Eine Rechnung, die nicht aufgehen kann. Einem Sea-Watch-Bericht zufolge sind die Zustände im überfüllten Lager teils katastrophal, Menschen müssten ohne Zugang zu Trinkwasser in der prallen Sonne ausharren. Der Bürgermeister von Lampedusa hofft nun auf mehr europäische Solidarität: „Lampedusa nimmt weiterhin Geflüchtete auf, doch wir verlangen, dass wir mit dem Migrationsphänomen nicht allein gelassen werden.“ Auch wir fordern die europäische Staatengemeinschaft zum Handeln auf: Es braucht endlich legale Fluchtwege und faire Verteilmechanismen anstatt unsolidarische Lager- und Abschottungspolitik an den Außengrenzen!

Die Bundesregierung und ihr Wortbruch

In der Opposition kritisierte Annalena Baerbock die deutsche Zusammenarbeit mit der sogenannten „libyschen Küstenwache“ noch. Heute, als Außenministerin, ist von dieser Haltung nicht mehr viel übrig: Auf Anfrage des ARD-Magazins Monitor schrieb ihr Ministerium, dass der Verantwortungsbereich Libyens die libysche SAR-Zone umfasse – ein Bereich, der bis tief in internationale Gewässer reicht. Dort greifen libysche Kräfte Menschen auf der Flucht auf und bringen sie völkerrechtswidrig zurück nach Libyen, wo ihnen Folter, Vergewaltigung und Versklavung drohen. Dies tun sie nun auch mit dem Segen der Bundesregierung, die noch im Koalitionsvertrag erklärte: „Wir wollen die illegalen Zurückweisungen und das Leid an den Außengrenzen beenden.“ Das ist nicht nur ein beschämender Wortbruch, sondern ein Riesen-Skandal, denn hier wird versucht, Völkerrechtsbruch und Menschenrechtsverletzungen zu legitimieren! 

Resqship-Jahresbericht2021-Titelseite

Erneute Kämpfe in Libyen

Warum Libyen nicht als sicherer Hafen für Menschen auf der Flucht betrachtet werden kann, beweisen erneut die jüngsten Nachrichten aus dem nordafrikanischen Land: Bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Milizen in der Hauptstadt Tripolis und der Hafenmetropole Misrata sind mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 50 weitere wurden verletzt. Seit 2011 befindet sich Libyen im Bürgerkrieg. Bis heute kämpfen zahlreiche militarisierte Gruppen und politische Lager um Macht und Einfluss, immer wieder kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Einen umfassenden Überblick über die aktuelle Lage vor Ort gibt es hier zu lesen.

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Herzlichen Dank für deine Unterstützung!

Lukas Kaldenhoff
Mitglied im RESQSHIP-Vorstand

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Veranstaltungshinweise

  • September: Run for Rescue (deutschlandweit) – Auch in diesem Jahr findet in zahlreichen Städten wieder der Run for Rescue statt, um möglichst viele Menschen auf die Lage im Mittelmeer aufmerksam zu machen und Spenden für die Seenotrettungsorganisationen, unter anderem auch RESQSHIP, zu sammeln. Mehr Infos gibt hier.
  • Augsburg, noch bis Ende Oktober 2022: Grenzschranke erzählt – Ausstellung im Augsburger Textilmuseum tim (mit RESQSHIP-Audio-Installation): mehr Infos

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