59 Menschen und 7 Crewmitglieder auf der Nadir

Newsletter vom 9. September 2022:   

Mehr als 40 Stunden mussten die 59 Überlebenden an Bord unseres 18 Meter langen Segelschiffs ausharren, bis sie an Land gehen durften. Die Crew der Nadir musste sie Ende August an Bord nehmen, denn ihr Schlauchboot drohte zu sinken. Für die siebenköpfige Besatzung war die Versorgung dieser Menschen über so lange Zeit auf so engem Raum eine große Herausforderung. Vor allem die beiden Medizinerinnen hatten alle Hände voll zu tun. Viele der Geflüchteten waren seekrank und stark dehydriert, vier von ihnen mussten mithilfe von Infusionen stabilisiert werden. Erst als einige medizinische Notfälle evakuiert werden mussten, kam wenig später auch die Erlaubnis, die übrigen Gäste in Lampedusa an Land gehen zu lassen (siehe News-Meldung).

Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk beschreibt Friedrich Reich, Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender von RESQSHIP, wie die Lage an Bord der Nadir mit so vielen Menschen war. Den Podcast (Bayern 2 Radiowelt am 31. August) könnt ihr hier nachhören.

Das war nur einer von mehreren Einsätzen auf der sechsten Beobachtungsmission in diesem Jahr, die soeben zu Ende ging. Die Nadir ist inzwischen zum Crew-Wechsel nach Malta zurückgekehrt und wird in wenigen Tagen wieder ins Einsatzgebiet aufbrechen.

Nachts driften wir

„Nachts gehen wir aus Sicherheitsgründen auf Drift, dabei ist die Fahrtgeschwindigkeit gleich Null. Es befinden sich viele leere Boote in dem Gebiet, die Kollisionsgefahr mit dem Treibgut ist zu hoch“, steht es im Bericht zur fünften Mission, den ihr jetzt auf unserer Website lesen könnt. Doch nicht nur leere Boote fand die Crew auf dieser Mission – sie konnte auch 449 Menschen in Seenot helfen und dafür sorgen, dass sie mithilfe der italienischen Küstenwache und dem zivilen Rettungsschiff Sea-Eye 4 in einem sicheren Hafen an Land gehen konnten.

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Maltas unterlassene Hilfeleistung

Hinweise zu Booten in Seenot bekommen wir oft von der NGO Alarmphone. Sie meldet die Seenotfälle aber nicht nur uns, sondern auch an die Seenotrettungsleitstellen – leider kommt von denen kaum Hilfe. In ihrem Bericht zum ersten Halbjahr 2022 zeigen sie alle Fälle auf, Rettungen durch NGO-Schiffe sowie illegale Pullbacks durch die sogenannte libysche Küstenwache. Der Bericht dokumentiert auch die unterlassene Hilfeleistung durch das MRCC Malta, das nicht nur die Rettung von Booten in Seenot verweigert, sondern auch Handelsschiffe in der Nähe von Seenotfällen ermutigt, die in Not geratenen Menschen zu ignorieren. Darüber hinaus gab es auch Fälle, in denen Malta Handelsschiffe unter Druck setzte, um die Menschen zurück nach Libyen zu bringen.

Jüngstes Beispiel für Maltas Versagen ist der Fall eines im Libanon aufgebrochenen Bootes mit etwa 60 Menschen an Bord, darunter zahlreiche Kinder. Es befand sich sehr weit im Osten der maltesischen SAR-Zone, als der Motor ausfiel und die Menschen an Bord verzweifelte Notrufe schickten. Es wäre ein Leichtes gewesen, diesen Menschen zu helfen, denn viele Handelsschiffe passierten die Stelle, wo es driftete. Doch ohne Anweisung von MRCC Malta wollte keines etwas tun. Das ging tagelang so, bis schließlich doch ein Handelsschiff die Menschen an Bord nahm. Für ein vierjähriges Mädchen kam die Rettung zu spät: Es starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Hier geht es zum Bericht über diese Tragödie.

Lesetipp: ECHOES September-Ausgabe

Im vorletzten Newsletter haben wir euch die neue Publikation „ECHOES from the Central Mediterranean” empfohlen, herausgegeben vom Civil MRCC (Civil Maritime Rescue Coordination Centre), einer neuen Koordinierungs- und Dokumentationsplattform für Menschen in Not im zentralen Mittelmeer. Nun ist die zweite Ausgabe erschienen – klickt doch mal rein!

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Andrea Finkel vom RESQSHIP-Team in Augsburg

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Veranstaltungshinweise

  • September: Run for Rescue (deutschlandweit) – Auch in diesem Jahr findet in zahlreichen Städten wieder der Run for Rescue statt, um möglichst viele Menschen auf die Lage im Mittelmeer aufmerksam zu machen und Spenden für die Seenotrettungsorganisationen, unter anderem auch RESQSHIP, zu sammeln. Mehr Infos gibt hier.
  • Augsburg, noch bis Ende Oktober 2022: Grenzschranke erzählt – Ausstellung im Augsburger Textilmuseum tim (mit RESQSHIP-Audio-Installation): mehr Infos

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